Kontinuität und Wandel

13.03.2026

Gegenwart gestalten. Zukunft planen. Das Schaffen idealer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen für Betriebe aller Sparten und Grössen ist seit 150 Jahren zentraler Auftrag der Handelskammer beider Basel. Dafür betreibt sie eine weitsichtige Wirtschaftspolitik für die Region.

von Historiker Thomas Hofmeier

In der Vergangenheit war keineswegs immer klar, ob und wie die Handelskammer beider Basel weiter bestehen würde. Zwei Weltkriege, Wirtschaftskrisen, soziale Stürme und politische Umbrüche, nationale und supranationale Reglementierung – der ständige Wandel der Welt – zwang sie stets, sich neu zu erfinden. Diese regelrechte Quadratur des Kreises ist ihr immer wieder gelungen. Historisch gesehen ist die Tatsache ihres fortgesetzten Bestehens allein schon eine Leistung und zugleich die Voraussetzung für ihr förderndes Wirken in der Region. Dass ihr Jahresbericht ohne Unterbruch 150 Jahre lang erschienen ist, zeugt lediglich als äusseres Anzeichen von ihrer Beharrlichkeit.  

Stütze und Sprachrohr der Wirtschaft 

Stütze und Sprachrohr für die gesamte Wirtschaft zu sein, ist ebenso herausfordernd wie erfüllend. Die Handelskammer dient nicht nur einer Branche, sie ist nicht der «Klub der reichen Unternehmer», wie böse Zungen behaupten, und sie ist nicht blind für soziale, ökologische oder gemeinnützige Anliegen. Ihre Aufgabe ist die Förderung der Wirtschaft im weitesten Sinne: der Wirtschaft als Grundlage jeder Zivilisation. 

Wirtschaft auf konstant hohem Niveau, wie unsere Region sie kennt, ist kein Selbstläufer und keine Selbstverständlichkeit. Wohlstand ist kein naturgegebener Zustand, sondern das Resultat eines Prozesses. Es genügt nicht, mit der Zeit zu gehen – das wäre zu passiv für eine auf Handel(n) ausgerichtete Körperschaft. Es gilt Visionen zu entwerfen, aktiv mitzugestalten und den Lauf der Geschichte positiv zu prägen.  

Weichenstellerin und Gestalterin der Moderne 

Das Erwachsen einer modernen globalisierten Wirtschaftsordnung aus der alten Zunftordnung des Ancien Régimes ist der Handelskammer gelungen. Die schweizweite Handels- und Niederlassungsfreiheit, die neue Bundesverfassung 1875, das Bevölkerungswachstum und die Industrialisierung im späten 19. Jahrhundert boten Anlass zu ihrer Gründung. Wie kaum ein anderer Landesteil hat die Region Basel und die Handelskammer als zentrale Akteurin ihrer Entwicklung die Herausbildung des jungen Bundesstaats mitgeprägt, wie einige ausgewählte Beispiele zeigen: Sie setzt sich ab 1894 für eine gemischte Zentralbank ein, bis 1907 mit ihrem Zutun die Schweizerische Nationalbank (SNB) gegründet wird; die von ihr unterstützte Landesausstellung ist 1914 ein riesiger Erfolg; 1917 wirkt sie mit bei der ersten Schweizer Mustermesse; 1923 eröffnet sie mit Partnern das Zollfreilager; über alle die Jahre setzt sie sich immer für die effizientesten Verkehrsmittel ein und prägt so die SBB, die Rheinhäfen und den trinationalen Flughafen… 1997 schliessen sich der Verband der Industriellen von Baselland  und die Basler Handelskammer zur Handelskammer beider Basel zusammen und heben wirtschaftspolitisch die Kantonstrennung auf; 2006 engagiert sie sich für Universität und Fachhochschulen; 2010 fördert sie den Ausbau des Glasfasernetzes; 2020 läuft ein Drittel der Schweizer Ein- und Ausfuhren über Basel; 2022 ist sie Hauptsponsorin der ersten Basler Industrienacht.  

Haltung und Dialog als Erfolgsrezept  

Was also ist das Erfolgsgeheimnis der Handelskammer beider Basel, die Zauberformel ihres über alle Umbrüche und Krisen, Neuerungen und Bedrohungen hinweg beständigen Wirkens? Sie ist bei manchen Gesetzesvorlagen und Plänen gegen eine Umsetzung. Ja, sie tritt bei Abstimmungen nicht selten für ein entschiedenes NEIN an der Urne ein, führt Abstimmungskämpfe und positioniert sich, wo nötig, als Gegnerin. Doch bei aller sachlichen und inhaltlichen Differenz setzt sie immer auf das gemeinsame Gespräch mit allen Akteuren, deren Argumente sie ernst nimmt – die Gestaltung des regionalen Wirtschaftsraums betrifft ja alle. Sie setzt sich für Entscheidungen ein, die auf der Basis von Fakten und Wissen, im Austausch, nach ehrlicher Evaluation und Abwägung gefällt werden. Stimmungsmache und Scheinargumente sind für sie keine Grundlage für wichtige politische oder wirtschaftliche Entscheidungen. 

Hören, Verstehen, Handeln als Dogma 

Die Handelskammer weiss, dass im Zentrum der Wirtschaft immer der Mensch steht und keine abstrakte Grösse, der sie huldigt. Wirtschaft bildet die Existenzgrundlage des Menschen, ist von Menschen gemacht und soll den Menschen dienen – unmenschliche Wirtschaft ist Misswirtschaft. Daher steht der Mensch im Fokus ihrer Bestrebungen. Sie fördert die Ausbildung der nächsten Generation, sie unterstützt die aktiven Unternehmen und bewahrt die Erfahrungen der Vergangenheit. Sie setzt entschieden auf das Milizsystem, um unternehmerisches Know-how aus der Praxis in ihre Tätigkeit einzubinden. Obschon sie selbst nichts herstellt und nichts verkauft, ist es für ihre Dienstleistungen, die Verbandsarbeit und die Koordination einer Dachorganisation, essenziell zu wissen, wie der Markt tickt, was die Wirtschaft an- und umtreibt. Als Sprachrohr der Wirtschaft muss sie die Sprache der Wirtschaft sprechen – und hören, was diese ihr sagt. Auf diese Weise hat sie wie keine andere Organisation den Wirtschaftsraum der Region Basel geprägt.  

Das Bild zeigt Die Radierung (Kupferstich) stammt vom berühmten Basler Künstler Matthäus Merian und zeigt die sogenannte Quadratur des Kreises Der Kupferstich stammt vom berühmten Basler Künstler Matthäus Merian und zeigt die sogenannte Quadratur des Kreises, die die Handelskammer trotz Kriegen, Krisen und Umbrüchen immer wieder geschafft hat.

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