«Unser Ziel ist es, die digitale Innovationskraft in der Region zu stärken»

15.09.2026

Nach zweijähriger Bauzeit wurde kürzlich der neue FHNW Campus Dreispitz in Basel feierlich eröffnet. Ab dem Herbstsemester 2026 werden rund 1’200 Studierende sowie 150 Mitarbeitende der Hochschule für Wirtschaft FHNW und der Hochschule für Informatik FHNW den neuen Campus nutzen. Wir sprechen mit Frau Prof. Dr. Doris Agotai, Direktorin der Hochschule für Informatik, über die Vorteile des Neubaus, Angebote für die Öffentlichkeit und die Bedeutung des Capus für unsere Wirtschaftsregion. 

Frau Prof. Dr. Doris Agotai, im August wurde der neue Campus Dreispitz der Fachhochschule Nordwestschweiz feierlich eröffnet. Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie das fertige Gebäude zum ersten Mal sahen? 

Am meisten hat mich die Begeisterung der Studierenden und Mitarbeitenden gefreut. Es ist ein inspirierender Ort für neue Lehr- und Lernformen, für Forschung und Weiterbildung und vor allem ein grossartiger Begegnungsort, der sich nun mit Leben und neuen Ideen füllt. Der Start am Dreispitz fällt in eine Zeit, in der wir uns mit der Entwicklung von AI technologisch an einem Wendepunkt befinden. Das ist unglaublich spannend und bietet viele neue Perspektiven. Hier gestalten wir gemeinsam die digitale Zukunft! 

Wurde Ende August 2026 eingeweiht: Der neue FHNW Campus Dreispitz an der Dornacherstrasse in Basel (Foto Evolution Design).
Weshalb ist die neue Hochschule für Informatik ein wichtiger Meilenstein?  

Mit dem Campus Dreispitz eröffnen wir unseren zweiten Standort und können das Informatikstudium erstmals nicht nur in Brugg, sondern auch in Basel anbieten. Das ist ein wichtiger Schritt für die FHNW, weil wir damit unser Ausbildungsangebot in der Region gezielt ausbauen. So sind wir näher an den Unternehmen und Talenten in und um Basel. Diese Woche haben wir mit den ersten Studierenden vor Ort ein neu konzipiertes Informatikstudium gestartet, das auf die Möglichkeiten von AI ausgerichtet ist. Gleichzeitig bauen wir Forschungsschwerpunkte rund um Security, Agentic AI, Data Engineering, High Performance Computing und Human Computer Interaction auf. Und auch in der Weiterbildung setzen wir Impulse für den Aufbau von AI-Kompetenzen von Unternehmen. 

Der Campus vereint die Hochschulen für Informatik und Wirtschaft unter einem Dach. Welche Chancen ergeben sich aus dieser räumlichen Nähe?  

Die spannendsten Innovationen entstehen oft an den Schnittstellen. Das direkte Nebeneinander erlaubt eine enge Zusammenarbeit und interdisziplinäre Vernetzung. Gemeinsame Themen wie Digitalisierung, Datenanalyse oder AI sind heute zentrale Themen für jedes Unternehmen. Sie sollten von Anfang an disziplinübergreifend gedacht werden.  

Einblicke in die Räumlichkeiten: Die Lernarena im neuen FHNW Campus (Foto: Evolution Design)
Welchen Beitrag leistet der neue Campus und die Hochschule für Informatik aus Ihrer Sicht für unsere die Unternehmen in unserer Wirtschaftsregion Basel? 

Unser Ziel ist es, die digitale Innovationskraft in der Region zu stärken. Wir bilden dringend gesuchte Fachkräfte aus und entwickeln gemeinsam mit Unternehmen Lösungen für konkrete Herausforderungen. Gerade AI eröffnet enorme Chancen. Entscheidend ist, dass wir sie nicht nur nutzen, sondern aktiv gestalten. Und mit Basel Tech haben wir einen weiteren wichtigen Partner direkt am Standort.  

Welche Aspekte standen bei der Gestaltung der Lehr-, Lern- und Arbeitswelten im Mittelpunkt? Welchen Mehrwert schaffen diese für Studierende und für die Wirtschaft? 

Uns war wichtig, wegzukommen von starren Hörsälen und kleinen Einzelbüros, hin zu offenen und flexiblen Lern- und Arbeitsumgebungen. Es gibt Bereiche für individuelles Lernen, für Gruppenarbeit, aber auch für den informellen Austausch. Im Zeitalter zunehmender Virtualisierung sind physische Begegnungsorte wichtiger denn je. Zugleich fördert die Umgebung das selbstorganisierte und projektbasierte Lernen. So bringen die Absolvierenden jene Zusammenarbeits- und Problemlösungskompetenzen mit, die im Arbeitsalltag gefragt sind.  

Der neue Campus bietet Bereiche für individuelles Lernen, für Gruppenarbeiten und auch für den informellen Austausch. Hier ist der Co-Working Bereich zu sehen (Foto: Evolution Design)
Terrasse und Lounge (Foto Evolution Design)
Der Campus versteht sich auch als Ort der Begegnung und des Austauschs mit der Öffentlichkeit. Sie möchten auch den Dialog mit der Gesellschaft fördern. Was bedeutet dies konkret?  

Digitalisierung und AI betreffen längst nicht mehr nur Informatikerinnen und Informatiker. Sie betreffen uns alle. Deshalb möchten wir unsere Türen öffnen, Technologien erlebbar machen und auch kontroverse Fragen diskutieren. Eine Hochschule sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern ein Ort sein, an dem wir gemeinsam darüber nachdenken, wie wir unsere Zukunft gestalten. Ich bin davon überzeugt, dass eine breite Auseinandersetzung mit AI und ein gutes Verständnis für neue Technologien eine wichtige Grundlage für die gesellschaftliche Entwicklung und letztlich für die Demokratie sind.  

Anlässlich der Eröffnung war vom «Vorzeige-Campus» die Rede. Was macht den neuen Campus aus Ihrer Sicht so besonders? 

Architektonisch ist der Campus ein wirklich gelungenes Gebäude und es ist ein Privileg, hier arbeiten zu dürfen. Was für mich den Campus aber besonders macht ist vor allem das, was morgen hier entsteht. 

«Wir bilden dringend gesuchte Fachkräfte aus und entwickeln gemeinsam mit Unternehmen Lösungen für konkrete Herausforderungen. Gerade AI eröffnet enorme Chancen. Entscheidend ist, dass wir sie nicht nur nutzen, sondern aktiv gestalten», sagt Dr. Doris Agotai, Direktorin Hochschule für Informatik FHNW

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